Die St. Martins Therme & Lodge liegt in nächster Nähe zum Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel und bietet so ein reizvolles Wechselspiel zwischen Wellness und Naturerlebnis.
Ein Holzsteg, der ins Wasser führt und den Blick freigibt auf die Steppe mit ihrem weiten Horizont. Vogelschwärme, die an der Lodge vorüberziehen und mit ihren Rufen die endlose Stille durchbrechen. Nein, es sausen keine Gnu-Herden vorbei, denn wir befinden uns nicht in der Serengeti, sondern im Burgenland, am Rande des Neusiedler Sees, wo sich seit kurzem das Ambiente eines Nationalpark-Aufenthalts mit reinstem Wellness-Genuss verbinden lässt.
Dabei hatten wir bei der Anreise das Gefühl, mitten im Nirgendwo gelandet zu sein. Die Straßen führen hier schnurgerade durch beinah menschenleere, flache Landschaften, unterbrochen nur von Gemüse- und Weinfeldern. Dann, zwischen den Orten Frauenkirchen und Apetlon, tut sich plötzlich ein sandfarbenes Gebäude auf, in seiner Form an eine gewundene Schnecke erinnernd. An der Zufahrt teilt sich der Weg, der vordere Teil des Gebäudes gehört dem öffentlichen Thermalbad, der hintere den Gästen der St. Martins Lodge.
Unser Besuch soll vorerst der Therme gelten. Nachdem wir die Kassenhalle, die von weißen Segeltüchern überspannt ist, und die Garderobe im Untergeschoß hinter uns gelassen haben, erwartet uns das Atrium der Therme, das gleich durch seine gewaltigen Dimensionen beeindruckt. Nach und nach stellt sich heraus, dass dieses „Herz“ der Therme über eine Reihe von pulsierenden „Nebenkammern“ verfügt, die räumlich abgeschlossen links und rechts abzweigen.

© St. Martins Therme & Lodge
Etwa 500 Liegen im Atrium sorgen dafür, dass man nicht allzu lange nach einem freien Platz suchen muss. Schließlich ist der Andrang auf die am 11. November 2009 eröffnete St. Martins Therme enorm. Viele Gäste aus Wien, aber auch Bratislava, dem nahen Ungarn und vor allem aus der näheren Umgebung sind hier, um Wellness-Feeling im „Puszta-Ambiente“ kennenzulernen. Links und rechts des Atriums sorgen zwei weitere Ruhegalerien im Obergeschoß dafür, dass man nie das Gefühl bekommt, in einem überfüllten Bad zu sein. Ein bisschen Kinofeeling kommt auf, wenn man es sich in den sandfarbenen Liegen gemütlich macht, sind diese im Parterre doch allesamt auf die gewaltige Glasfront ausgerichtet, die nicht nur Innen- und Außenbecken trennt, sondern auch den Panoramablick auf die weite Landschaft rund um den Neusiedler See freigibt.
Genug geschaut, Zeit fürs gar nicht so kühle Nass. Über Stufen gelangt man, flankiert von zwei an Keramiksäulen herabfließenden, kleinen Wasserfällen, ins Einstiegsbecken, das als schlangenförmiger Bachlauf zum Hauptbassin des Thermalbeckens führt. Dieses grenzt direkt an die Glasfront, durch die man ins noch größere Außenbecken gelangt. Die Ausmaße sind auch hier beeindruckend: Eng wird es hier nie, weder an den vielen Sprudelsitzen, Schwallduschen noch in den zahlreichen kleinen Nischen. Ein weiteres Innen-/Außenbecken mit hochkonzentrierter Sole befindet sich gleich neben dem Thermalbecken.
Der Fund des Thermalwassers war kein Zufall. Schon lange wusste man in der Region, dass man auf einer Thermenlinie liegt, und so beauftragten vor einigen Jahren die 13 Gemeinden des Seewinkels Geologen, um Probebohrungen durchzuführen. In 860 Metern Tiefe stieß man schließlich auf Natrium-Hydrogencarbonat-Chlorid-Heilwasser, das mit 43 °C zutage tritt – und sich besonders gut für Gelenkstherapie eignet. Von da an ging alles sehr schnell: 2007 erfolgte der Spatenstich, im Februar 2008 floss der erste Beton, und am 11. 11. 2009, dem Namenstag des Patrons des Burgenlands, wurde die St. Martins Therme eröffnet. 83 Millionen Euro Investitionskosten flossen in das Vorzeigeprojekt des Burgenlands, das von der Vamed, dem international tätigen Dienstleister im Gesundheitswesen, in Abstimmung mit Land, Gemeinden und einer Bankengruppe entwickelt und errichtet wurde.
Während wir im Freien im warmen Thermalwasser entspannen, ist zur Abenddämmerung Nebel eingefallen. Vom regen Treiben im Bad selbst ist nichts zu hören. Dort sind nämlich die weiteren Bereiche durch geschoßhohe Glasfronten abgetrennt: etwa der Kinderbereich mit zwei Becken, einem Strömungskreisel, Wasserspielpark und einer 100-m-Riesenrutsche, die sich von außen ins Innere des Gebäudes windet. Untertags gibt es hier verschiedene Kinderanimationsangebote wie den Kid’s Film Club oder den Entdeckerclub. In der angeschlossenen Lodge können Kinder auch mehr über Fauna und Flora der Umgebung in Erfahrung bringen. Über dem Kinderbereich gibt es ein sogenanntes Sonnendeck, mit einer Ruhegalerie im Inneren und einer weitläufigen Außenterrasse mit Blick Richtung Westen. Darunter das Marktrestaurant mit Selbstbedienung, wo Korbstühle in dunklem Braun und Barhocker in sandfarbenem Leder die Linie der Pastelltöne im Inneren des Gebäudes weiterziehen.


Der sandfarbende Charakter des Gebäudes setzt sich in der Bar und der Lodge fort.
© St. Martins Therme & Lodge
Auf der linken Seite der großen Halle liegt ein kleines Aktivbecken, in dem untertags Wassergymnastik und Aqua-Fitness angeboten werden. Unter einer weiteren Ruhegalerie im ersten Stock gelangt man durch einen Gang in den Saunabereich, wo auf die Schwitzkünstler unter den Wellness-Gästen drei Finnische Saunen und zwei Dampfbäder warten. Besonders gelungen ist der Innenhof, in dem die „Schilfrohrsauna“ und die „Kieselsauna“ in einem Rundgebäude, dessen Fassade mit Schilf ausgelegt ist, untergebracht sind. Hier werden Klassiker wie Honig- oder Salzaufgüsse angeboten. Im Gebäudeinneren befinden sich die Dampfbäder, in denen Salzgras bzw. Steppengras wohltuend auf Lunge und Atemwege wirken. Im großen Ruheraum sucht man vergeblich nach Ecken und Kanten, wie eigentlich überall in der St. Martins Therme. Hier ist es eine geschwungene Glasfassade, die den Blick auf den Innenhof mit Thermalbecken und Whirlpool freigibt. Noch gemütlicher ist der Kaminfeuer-Raum, und endgültige Entspannung erwartet den Gast im Swing-&-Relax-Raum, wo man in Korbliegen, die an Seilen von der Decke hängen, endgültig in einen Zustand versetzt wird, der an Wiegenzeiten in frühen Kindheitsjahren erinnert.
In der Bar der Lodge, die mit Braun- und Samttönen den sandfarbenen Charakter des Gebäudes fortsetzt, treffen wir Roman Purt, seines Zeichens General Manager der Therme & Lodge St. Martin. Trotz anglophiler Berufsbezeichnis kann Herr Purt seine burgenländische Herkunft nicht verleugnen, ja er vertritt sie mit überzeugter Leidenschaft: „Unser Konzept ist es, die Natur hereinzuholen und den Gast in die Natur hinaus zu bringen. Eine Therme allein ist heute zu wenig.“ Und so wird den Lodge-Gästen ein umfangreiches Angebot an Outdoor-Programmen geboten. Vier Touren pro Tag führen in den Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel, der das Prädikat eines Unesco-Welterbes genießt. Biologen aus dem Nationalpark beobachten mit den Gästen etwa seltene Tierarten, wie Steppenrinder oder die letzten Wildpferde der Erde, die Przewalski-Pferde, vor allem aber die in Europa einzigartige Vielfalt von 330 Vogelarten, die hier im Naturreservat ungestört nisten und brüten können. Weitere Aktivitäten wie Kanufahren oder Fischen am fünf Kilometer entfernten Zicksee ergänzen das Angebot. Sanfter statt Event-Tourismus steht hier im Mittelpunkt. „Die Lodge dient unseren Gästen als Rückzugsort“, erklärt Roman Purt, „und wenn sie abends hereinkommen, erwartet sie ein brennendes Kaminfeuer im abgedunkelten Lounge-Bereich. Das ist gleich ein angenehmer Empfang, wenn man aus der Natur kommt.“


Solebad
© St. Martins Therme & Lodge
Der Lodge-Charakter, den man sonst nur aus Afrika oder Nordamerika kennt, wird für den Hotelgast durch einen exklusiven Spa-Bereich ergänzt, wo man sich etwa zum Ausklang des Tages in zwei Saunen, einem Dampfbad oder einem weiteren Thermalbecken erholen kann. Humboldt’s Bar weist auf Entdeckerfreuden hin, das Schilf an den Wänden ist dazu angetan, die Eindrücke des Tages in Erinnerung zu rufen. Fitnessräume sowie Kosmetik-Treatments komplettieren das Angebot. Und nicht zu vergessen ist ein 8-ha-See, der dem Gebäude vorgelagert ist und mit einem weitläufigen Strand auf einer Halbinsel im Sommer dem Gast weitere Bademöglichkeiten bietet.
Die Erwartungen von Roman Purt für das erste Betriebsjahr liegen bei etwa 80.000 Lodge-Gästen (bei einer Kapazität von ca. 300 Betten) und ca. 300.000 Tagesgästen der Therme. Angesichts eines Einzugsbereich von 3,5 Millionen Menschen mit weniger als 60 Minuten Fahrzeit zu Therme und Lodge, darunter die Bevölkerung von Wien, Bratislava, Györ und Sopron, ist dieses Ziel nicht unrealistisch.
Regionale Materialien wie Schilf, Holz, Kies und Glas begleiten uns, als wir wieder in den Thermenbereich zurückkehren. Am Abend herrscht auch im Atrium durch indirektes Licht eine angenehme Atmosphäre. Das Licht kommt von vier riesigen, in Holz eingefassten Stelen, aus deren Trichtern, die wie Pokale anmuten, Scheinwerfer strahlen – und jeden Abend auch für 20 Minuten Beamer: Auf die 1000 m2 große Decke werden dann Filme mit Bildern der Region projiziert, und das Bad verwandelt sich damit zur größten Kinoleinwand Österreichs. Und so wird es einem zu Badeschluss schon schwergemacht, der Verführung nicht nachzugeben, den Aufenthalt in der angrenzenden Lodge zu verlängern.
(Redaktion: Martin Betz)
www.stmartins.at


Hier wird es nie eng: Die Ausmaße der neuen St. Martins Therme sind beeindruckend.
© St. Martins Therme & Lodge
Projektdaten
Besitzgesellschaft Seewinkel Therme
Besitzgesellschaft m.b.H. Technologiezentrum, A-7000 Eisenstadt
Betreiber Therme Seewinkel
Betriebsgesellschaft m.b.,A-1230 Wien
Totalunternehmer Vamed Standort, Entwicklung & Engineering GmbH & CoKG, A-1230 Wien
Architekt Holzbauer & Partner; Wolfgang Vanek
Investitionssumme rd. 83 Mio. € inklusive Infrastrukturmaßnahmen
Kapazität der Anlage
Projektareal 23 ha
Brutto-Geschoßfläche 36.024 m²
Gesamtthermalwasserflächen: 1.959 m²
Verbaute Fläche 5 ha
See 8 ha
Zimmer gesamt 150
Doppelzimmer 126
Junior-Suiten 20
Senior-Suiten 2
Behindertenausstattung 2
Weiters 3 Seminarräume, die für bis zu 200 Personen kombiniert werden können 2 Workout-Räume für jeweils 18
Personen, großzügige Lounge, Bibliothek
Kinderzimmer mit Animationsprogramm
Factbox
Öffnungszeiten Täglich von 9.00 bis 22.00 Uhr
tarife
3 Stunden: Erwachsene 12 €, Jugendliche 7–15 J. 8,40 €, Kind 2–6 J. 7,20 €
Abendkarte: Erwachsene 13 €, Jugendliche 7–15 J. 9,10 €, Kind 2–6 J. 7,80 €
Tageskarte: Erwachsene 20 €, Jugendliche 7–15 J. 14,00 €, Kind 2–6 J. 12 €
Zuschlag an Wochenenden, Feiertagen und Fenstertagen: € 2 auf alle Kategorien.
Für jede weitere halbe Stunde wird für Erwachsene € 1,50 verrechnet. (für Jugendliche € 1,10;
für Kinder 0,90 €);
Mietkabine: 4 € Mietgebühr; Saunalandschaft 5 € (einmalige Aufzahlung), Zutritt Saunabereich: ab
15. Geburtstag; Saunalandschaft Abend (ab 18.00 Uhr) 4 € (einmalige Aufzahlung)