17.08.2010
Gesund baden
![]() Das Panorama-Sonnendeck im Obergeschoß des holzverkleideten Flügels unterstreicht den „Schiffscharakter“ des Gebäudetrakts. |
Schon von außen beeindruckt die Architektur des Bades – imposant vor allem das trapezförmige, zu den Rändern sich öffnende Dach, das dem schiffähnlichen Bau seine besondere Leichtigkeit verleiht. Die großzügige Eingangshalle gibt Einblick in die Badehalle. Beim Einchecken erhält man ein Transponder-Armband, mit dem der Schrank verschlossen wird – bargeldloses Zahlen in der Gastronomie ist damit jedoch nicht möglich. Eine Wendeltreppe führt zu bunten Glas-Umkleidekabinen. Grün- und Orangetöne dominieren und bilden einen harmonischen Kontrast zu den Wänden und Decken aus Sichtbeton.
Im Saunatrakt wurden vier Schwitzräume eingerichtet – zwei finnische Aufgusssaunas, ein Sanarium und ein Dampfbad. Sehr schön gelöst ist die Duscheinheit, mit Kübeldusche und Fußbädern aus Holz. Wände und Boden wurden mit Glasmosaik versehen, ebenso wie das attraktive Dampfbad. Zum Relaxen laden der Schiffsdeck-Ruheraum und das Panorama-Sonnendeck ein. Nach dem Saunagang kann man sich im Entspannungsbecken aalen. Die Saunabar verfügt über drei kleine Tische und vier Stühle an der Bar. Die fremdverpachtete Sauna-Gastronomie – in der bargeldloses Bezahlen übrigens nicht möglich ist – wird von der darunterliegenden Küche (die das Restaurant „Seelig“ im Badeland bedient) per Lasten-Aufzug versorgt.
Die transparente Glasfront verbindet das Innere der Badehalle mit der Landschaft – dem Thermal-Außenbecken, der Liegewiese und der weiten Wasserfläche des Sees. Hauptattraktion des weitläufigen Thermalbeckens sind 32 Massagedüsen: Jede Düse ist mit einem Licht ausgestattet – es leuchtet rot, wenn man den Platz wechseln soll. Damit werden lange Wartezeiten vermieden. Weiterhin gibt es neun Sprudelliegen und einen Whirlpool, der mit 36 °C wohlig temperiert ist. Die Halle ist groß und hell, und vor allem ältere Menschen fühlen sich hier wohl. In zwei Räumen hinter der spitz in den Raum hineinragenden Ruhegalerie befinden sich Solarien. Akzente bilden kleine Spots an den Treppenabgängen, die in das Glasmosaik integriert wurden.
Vom alten Bad wurde das große Außenbecken übernommen: Strömungskreisel, Sprudelliegen, Bodensprudler und Massagedüsen sorgen für Abwechslung und Entspannung. Ansonsten kann man auch den Blick auf den Bodensee genießen. Im Winter dampft das Wasser, was vor allem abends auf der Sprudelliege bei funkelndem Sternenhimmel einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Das Freibad kann solitär gebucht werden, ist aber auch vom Badeland aus durch Schleusen zu erreichen. Auch hier sind die alten Becken noch vorhanden, wobei natürlich vor allem das 50-Meter-Sportbecken mit acht Bahnen hervorsticht. Neu ist das mit Kopfsteinpflaster versehene Kinderbecken, in das ein Spielbach integriert wurde. Ergänzende Ausstattung wie ein Trocken-Spielschiff und eine „Arche Noah” mit weißen Kunststofftieren machen das Junior-Becken zu einem abwechslungsreichen Areal für junge Badegäste. Die ehemals vorhandene 87 m lange Rutsche wurde durch eine neue mit 90 Metern ersetzt und mit einem Sofa-Auslauf ins Nichtschwimmerbecken komplettiert. Eine Brücke verbindet die Bodensee-Therme Konstanz mit dem natürlichen Pendant der Therme: Direkt im Bodensee kann der Badegast das Schwimmen fortsetzen.
Laut Prognose sollte das Bad etwa 330.000 Jahresgäste generieren. Diese Gästezahl wurde Anfang der 1980er-Jahre bereits mit dem alten „Mineralbad Jakob“ erreicht, erschien also trotz der zwischenzeitlich schärferen Konkurrenzsituation ziemlich realistisch. In den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung strömten über 1.000 Gäste täglich in die neue Therme, woraufhin bis zum Jahresende das Interesse etwas nachließ. Nach einer guten Wintersaison konnte man aber wieder aufholen, und im Juli 2008 erreichte man sogar einen Tages-Besucherrekord von 2.125 Gästen. Davon 1.617 im Thermalbad, 381 im Saunaland und – trotz schlechten Wetters – noch 127 im Freibad. Insgesamt kamen im ersten Betriebsjahr schließlich rund 320.000 Gäste in die neue Bodensee-Therme..
Naturgemäß ist ein Thermalbad für Kinder weniger attraktiv. In der „Bodensee-Therme“ hat man jedoch an die kleinen Badegäste gedacht: Im abgetrennten Eltern-Kind-Bereich laden in einer 50 Quadratmeter großen Erlebniswelt Bodenbrodler, Wasserspeier, ein Wasserpilz und ein Schiffchenkanal zu ausgelassenen Wasserspielen. Kindgerecht niedrig installierte Duschen und extra kleine WCs sowie Wickelmöglichkeiten stehen für Familien mit kleinen Kindern bereit. Abenteuerbecken und Riesenrutsche darf man allerdings nicht erwarten.
Dafür ist jedoch im Freibad gesorgt, das ja eine ordentliche Großrutsche und einen Bereich für Kleinkinder vorweisen kann. An Behinderte hat man ebenfalls gedacht, denn es gibt gesonderte Umkleiden und Sanitärräume, und das Bad ist barrierefrei. Im Saunaland ist es für Rollstuhlfahrer allerdings etwas eng, und nicht alle Bereiche sind zugänglich. Die Konstanzer Bodensee-Therme macht einen optisch guten Eindruck und ist auf die Klientel eines Kurbades abgestimmt, wobei man zusätzlich diverse Kinder- und Spaß-Elemente beigefügt hat. Dem Saunaland würde allerdings ein zusätzlicher Saunagarten gut zu Gesicht stehen. Mit der Auslastung kann man angesichts der starken Konkurrenz – wie zum Beispiel die Bodensee-Therme Überlingen, die Therme Meersburg oder das Bora-Saunaland Radolfszell – sicherlich zufrieden sein. Die BGK betreibt im Übrigen noch einige weitere Bäder, darunter das historische Kur- und Hallenbad mit Badestrand bei der Rheinbrücke und das Sport- und Freizeitbad „Schwaketenbad“, das sich mit neuer, toller Reifenrutsche für Sportler und Familien empfiehlt. Mit dem Neubau der Bodensee-Therme wurde ein wichtiger Schritt in der Neuorganisation des Konstanzer Badewesens vollzogen.





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