17.08.2010
Einer für alle,alle für einen
Nach fast achtzehnmonatiger Bauzeit hat das Südbad Trier Ende Mai erneut geöffnet. Selbst der Minister des Inneren und für Sport von Rheinland-Pfalz, Karl Peter Bruch, würdigte die Anlage im Rahmen der feierlichen Wiedereröffnung als „ein Bad der Königsklasse“. Aber was ist nun daran wirklich so besonders? Die Sanierung des denkmalgeschützten Trierer Südbads ist das erste sogenannte Public-Private-Partnership-Projekt im Freibadbereich.
Mehr und mehr sind staatliche Kassen mit der Finanzierung großer Infrastrukturprojekte überfordert. Das Modell des Public Private Partnership bietet hier eine mögliche Lösung an. Das österreichische Unternehmen Berndorf Bäderbau, Tochter der Berndorf AG, das die europaweite Ausschreibung für sich entscheiden konnte und seit 1960 führend in der Produktion von Schwimmbadanlagen, hat sich nun mit der für alle äußerst zufriedenstellend abgeschlossenen Abwicklung der Trierer Revitalisierung als PPP-Partner im Bereich des öffentlichen Bäderbaus positioniert.
In der PPP-Projektpartnerschaft zwischen öffentlicher Hand und Berndorf Bäderbau möchte sich das österreichische Unternehmen als finanzkräftiger Hersteller öffentlicher Badeanlagen in Zukunft auf die erfolgreiche Umsetzung von Projekten im Bereich der Freibäder konzentrieren. Im Rahmen einer gemeinsamen Unternehmensstruktur werden jedem Partner bestimmte Aufgaben zugeteilt. Bei dem in Trier umgesetzten Pilotprojekt etwa zeichnete Berndorf auch für Beratung, Planung, Revitalisierung, und Finanzierung verantwortlich. Aber damit nicht genug: Denn die gesamte Baumaßnahme wurde außerdem einschließlich Wartung und Instandsetzung für die nächsten 25 Jahre an den privaten Partner, die österreichische Berndorf Bäderbau GmbH, übergeben, die nach Ablauf der Vertragsfrist das Bad zur alleinigen Verwaltung – möglichst ohne notwendig werdende Neuinvestitionen – an die Stadt zurückstellt. Erfreut über eine achtundsiebzigprozentige Beteiligung von Firmen aus der Region zeigte sich bei der Eröffnung Oberbürgermeister Klaus Jensen.
Auch die „Risikoverteilung mit Augenmaß“ sei kennzeichnend für die gute Zusammenarbeit gewesen: Die Stadt Trier sorgt für sozial verträgliche Eintrittspreise und Öffnungszeiten, während Berndorf für den technischen Betrieb und die Instandhaltung der Bausubstanz die Verantwortung übernimmt. Mag. Florian Schram, Geschäftsführer Berndorf Bäderbau, zeigt sich stolz über das getätigte Investitionsvolumen und über die gelungene Zusammenarbeit mit allen PPP-Partnern, einer, wie Schram hervorhebt, „echten“ Partnerschaft. Auch die Erreichung der Planzahlen und der somit geschäftlich zufriedenstellende Erfolg – und hier gilt Berndorfs Dank wirklich allen Projektpartnern in Trier – ermutigt zu weiteren Projekten, von denen laut Schram einige in ähnlicher Form bereits in Deutschland und Österreich in Planung sind. Im Rahmen der 9,36 Millionen Euro teuren Generalsanierung der nun weitgehend behindertengerechten größten Freibadanlage in Rheinland-Pfalz (Fassungsvermögen etwa 900 Besucher) wurde die ursprünglich 3.500 Quadratmeter große Wasserfläche auf 2.370 Quadratmeter reduziert, um die Betriebskosten senken zu können. Eine Voraussetzung für die Landesregierung zur Gewährung des Zuschusses in der Höhe von 2,9 Millionen Euro.
Die charakteristischen Beckenformen des im Sommer 1957 eröffneten Freibades blieben erhalten ebenso wie der zehn Meter hohe Sprungturm mit seinen fünf Plattformen, der generalsaniert und den aktuellen Sicherheitserfordernissen angepasst wurde, sowie die kleinen Betonrutschen. Die unter Denkmalschutz stehenden baulichen Strukturen mussten erhalten bleiben und wurden im Rahmen der Generalsanierung auch den heutigen Anforderungen entsprechend adaptiert. Den Eingangsbereich gestaltete man zeitgemäß neu. Die Umkleidebereiche und Duschen wurden auf die Badeebene verlagert und so Platz für die Errichtung eines Restaurants gewonnen, das nunmehr das ganze Jahr über geöffnet sein wird. Die Edelstahlverkleidung der Becken ist dauerhafter und kann besser gereinigt werden als die bisherigen Kunststoffoberflächen.
Die Filtertechnik wurde modernisiert. Neu sind eine ebenfalls aus Edelstahl gefertigte 75 Meter lange Wasserrutsche mit separatem Auffangbecken, eine Badeinsel und ein als Wasserspielgarten mit Fontänen und Strömung aufwändig gestalteter Kinderbereich sowie ein daneben angelegter Spielplatz mit Klettermöglichkeiten. Mit großer Begeisterung haben auch die Trierer die neue attraktive Badeanlage angenommen und sehen darin durchwegs einen echten Mehrwert für ihre Stadt. Wie sehr die Trierer an ihrem Südbad hängen, zeigte auch die 2005 initiierte Bürgerinitiative „Rettet das Südbad“, die damals 22.000 Unterschriften im Kampf um die Sanierung des Bades zusammentrug und diesem letztlich das Leben rettete.




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