Thermarium Bad Schönborn steigert Attraktivität und senkt...
22.12.2009
Megawatt gegen Kilowatt
Text Thomas Krüger
Die stetig steigenden Energiekosten sind das Hauptproblem der Bäder-Branche“, sagt Markus Hoppe, Geschäftsführer des Thermariums Bad Schönborn. 2007 gab die größte Therme Südwestdeutschlands über 600.000 Euro für Wärme und Strom aus, den weitaus größten Teil davon für Erdgas: Die Temperatur in den sechs Thermal-Sole-Becken muss kontinuierlich auf 31 bis 35 Grad gehalten werden. Über 12 Millionen Kilowattstunden (kWh) Gas waren bislang im Jahr dafür nötig. Künftig sinkt diese Menge um ein Viertel, und auch die Kostenexplosion kann Hoppe aufhalten. Seit drei Jahren arbeitet er mit einer externen Energieberatung zusammen, die unter anderem die umfangreiche Erneuerung der Heizanlage mithilfe eines Contractors begleitete. Der problematische Zustand der über 25 Jahre alten Heiztechnik gab den Anstoß, mit der Firma BFE Institut für Energie und Umwelt GmbH (Mühlhausen bei Heidelberg) einen Dienstleister von außen hinzuzuziehen. Die beiden Blockheizkraftwerke (BHKW) waren überdimensioniert und wegen Überschreitung von Abgasgrenzwerten von der Stilllegung bedroht.
Bessere Konditionen
„Verschiedene Anbieter unterbreiteten uns damals Vorschläge für eine Sanierung“, erinnert sich Markus Hoppe. „Da brauchten wir neutrale Berater.“ Deren Aufgabe war es aber auch, weitere Schwachpunkte der energietechnischen Anlagen aufzuspüren und die Lieferverträge mit den Energieversorgern kritisch unter die Lupe zu nehmen. In hartnäckigen Verhandlungen erreichten die Berater, dass der regionale Gasversorger seine Konditionen verbesserte: Während der 18-monatigen Lieferperiode 2006/2007 musste das Thermarium 18.500 Euro weniger ausgeben als befürchtet. Später ergaben eine einmalige Rückvergütung und weitere Preisverhandlungen nochmals 7.000 Euro Kostenvorteil. Umsetzen ließ Geschäftsführer Markus Hoppe eine Instandsetzung der Blindstromkompensation, der hydraulischen Trennung der Kesselanlage und der Wärmedämmung an Rohrleitungen und Ventilen der Solewasseraufbereitung mit einer jährlichen Einsparung von zusammen 10.000 Euro.
Neben Einsparvorschlägen wurde bald die drängende Sanierung der Heizanlage ein zentrales Beratungsthema. „Unser Problem war, dass zugleich die Erneuerung von Gebäuden und Schwimmbecken anstand, um die Attraktivität für unsere Gäste zu erhöhen“, so Hoppe. Das Bestreben, den hohen Gasverbrauch zu senken und zugleich die Finanzkraft für die Sanierung des Bades zu behalten, war der Grund, ein Contracting-Modell zu wählen: Dabei übernimmt ein Vertragspartner (Contractor) Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb einer Anlage für eine festgelegte Laufzeit auf eigenes Risiko. Dafür erhält er ein jährliches Honorar.

Während der routinemäßigen Schließwoche wurde das moderne Blockheizkraftwerk eingebaut. Es bietet 357 kW elektrische und 519 kW thermische Leistung.
Mehrere potenzielle Contracting-Partner legten dem Thermarium ihre Konzepte vor. Bei der Auswahl ließ sich Hoppe durch das Institut BFE begleiten. Es prüfte die Vorschläge und gab Hinweise für die Verhandlungen. Den Zuschlag erhielt ein regionaler Anbieter. Wichtigste Punkte seines Maßnahmenkatalogs waren die Erneuerung der Kessel- und BHKW-Anlage, der Austausch der Heizungspumpen, der Ventilatoren, eine neue Regelung, die Einrichtung einer Gebäudeleittechnik, der Einbau einer Wärmerückgewinnung sowie eine neue Beleuchtungstechnik – alles in allem eine Investition von 1,2 Millionen Euro. Das Thermarium übertrug dem Contractor die Heizanlage mit allen Rechten und Pflichten für eine Laufzeit von 15 Jahren. Neben den technischen Lösungswegen überzeugte am Konzept, dass sich das Thermarium nicht langfristig an einen Energieversorger binden musste.
Während der routinemäßigen Schließwoche des Thermariums im Juni 2007 erfolgte der Einbau der neuen Technik: Das moderne BHKW bietet 357 kW elektrische und 519 kW thermische Leistung. Die beiden alten Heizkessel (je 2,3 Megawatt) wurden durch einen Brennwertkessel mit 900 kW und einen Niedertemperaturkessel von 1,9 MW ersetzt. Danach ging der Badebetrieb ungestört weiter. Das Jahr 2008 stand im Zeichen der Erneuerung des Lüftungsbereichs. Eine neuartige Regelungssoftware, die nachträglich installiert werden kann, erreicht eine deutliche Steigerung der Behaglichkeit bei verringertem Energieverbrauch. Es muss nur noch halb so viel Luft umgewälzt werden, um Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit im gewünschten Rahmen zu halten. Entsprechend muss auch weniger Luft beheizt werden. Die übriggebliebene Abluft wird zur Wärmerückgewinnung genutzt.
Wechsel des Gasversorgers
Unterdessen begann das Thermarium mit dem Umbau der Becken. Damit einher ging die Sanierung der Beleuchtung. Ende 2009, wenn alle Einrichtungen wieder in Betrieb sind, kann Markus Hoppe beurteilen, wie viel Energie und Geld er tatsächlich spart. Erwartet wird eine Netto-Einsparung von rund 50.000 Euro jährlich, wenn man die deutlich reduzierten Energiekosten (auf Basis der Preise von 2006) und den Wegfall von Wartungs- und Reparaturaufwand dem Honorar für den Contractor gegenüberstellt. Beim Gas ergibt sich nach Berechnungen eine Verbrauchseinsparung von fast 20 Prozent. Dies hat die Energieberatung BFE bei der Ausschreibung des Gasbezugs bereits berücksichtigt: Nur noch 10 Millionen kWh werden benötigt. Da die Liberalisierung des Gasmarktes allmählich in Gang kommt, konnte Markus Hoppe aus drei alternativen Angeboten auswählen. Er entschied sich für einen neuen Lieferanten und muss im Vergleich zur Konkurrenz 139.000 Euro im Jahr weniger bezahlen.
www.thermarium.de




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